Wolf Udo Wagner
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08/2008 DIGEST Design muss funktionieren „Das Leben ist Gestaltung – life is creation“: Der Designer Wolf Udo Wagner mag es puristisch. Das Leben selbst versorgt ihn mit den besten Ideen, die er funktional umzusetzen weiß. Digest: Was macht gutes Design aus? Wolf Udo Wagner: Man könnte behaupten, das sei Geschmackssache, aber das trifft meines Erachtens erst in dritter oder vierter Ebene zu. Ich finde im Design nur gut, was gut funktioniert. Auch die Authentizität ist wichtig. Wo kommt es her, wer gestaltet und welche Marke ist hier präsent? Schön, attraktiv und vielleicht sogar begehrlich darf und sollte Design sein, wobei sich das im Idealfall aus dem vorgenannten ergibt wenn es konsequent durchdacht wurde. Digest: Form und Funktion: Wie spielt das idealerweise zusammen? Sie haben eine Tasche kreiert, die komplett ihren Bedürfnissen entspricht. Was fehlte Ihnen bei den herkömmlichen Designs? Wagner: Form und Funktion stehen in Abhängigkeit zueinander, nach wie vor ergibt sich doch bei den wirklich guten Produkten die Form bereits weitgehend aus den Funktionen. Dabei sehe ich neben den primären Anwendungsfunktionen vor allem auch die durch gesellschaftliche Entwicklungen entstandenen Anforderungen. Diese beschäftigen mich besonders. Bei der Taschenserie C2 von miawolf habe ich eine in den Kulturen – ob man sie schätzt oder nicht – wichtige Funktion in die Gestaltung aufgenommen. Elektronische Geräte wie Mobiltelefon, iphone, Mp3 Player sind für beinahe jeden die unverzichtbaren Wegbegleiter geworden, diese sollen jederzeit griffbereit sein. Die C2 Kollektion trägt dem Rechnung und bietet ein redundantes, also vordergründiges und damit schnell erreichbares Gerätefach, das dann die Gestalt der Tasche mitbestimmt. Auch Material erfüllt Funktionen, So schätze ich z.B. natürliches Material wie Leder. Es hat einerseits eine vertraute Haptik bzw. Olfaktorik, steht zudem für Wertigkeit, Langlebigkeit und Qualität. So funktioniert es dann als Ganzes. C2 von miawolf gibt es in verschiedenen Größen und Farben für Mann und Frau. Digest: Feuerstelle, Tasche, Porzellan: Was ist Ihr liebstes Material? Wagner: Material hat aus meiner Sicht keinen Selbstzweck, insofern habe ich auch nicht wirklich ein absolutes Lieblingsmaterial. Es kommt eher darauf an, was das Produkt können soll, dann ergibt sich das Material meistens. Wenn dann Material, Form und Funktionen gut aufeinander abgestimmt sind, kann das Material seine Qualitäten mit einbringen, und dann mag ich es sehr. Die Idee zur ponton Ethanol Feuerstelle wurde durch das Lagerfeuer angeregt, ich wollte Lagerfeuerstimmung in den artefakten Raum transportieren. Hierzu wählte ich extrudiertes und mehrfach getempertes Borosilikatglas, das im Gegensatz zu geblasenen Glas der „me too“-Anbieter hitzeunempfindlich und mechanisch hoch belastbar ist. Somit konnte ich die Edelstahlbauteile geradezu schwebend direkt in den Glaszylinder integrieren, was materialtechnisch anspruchsvoll ist. Das Resultat ist eine Bühne für Lagerfeuer, rund und gleichwertig von allen Seiten genießbar. Die von mir für die Firma Carl Mertens gestaltete Feuerstelle folgt ebenfalls dem Gedanken der Bühne, allerdings ist sie zudem auf die räumlichen Gegebenheiten des gedeckten Tischs ausgerichtet. Edelstahl als weiteres Material hat hier selbstverständlich auch etwas mit der Markenausrichtung zu tun, denn Carl Mertens ist immerhin die Marke für Tischkultur in Edelstahl, made in Solingen. Ich betreibe beide Feuerstellen regelmäßig und liebe die von Ponton und die von Carl Mertens, gleichermaßen. Digest: Was dient Ihnen als Inspiration für ihre Designs? Wagner: Der Satz „Das Leben ist Gestaltung- life is creation“ sagt es kurz und deutlich: Das Leben nährt mich als Designer. Ich genieße den Moment und nehme mit einer gewissen Sensibilität selbst die kleinen Begebenheiten wahr, denn gerade die können inspirierend sein. Vieles davon kann ich zu Projekten abrufen. Ein fallendes Laubblatt hat mich zur Gestaltung einer Stuhlserie (Kyoto, Fischer Möbel) inspiriert, das Beobachten der telefonierenden Tischnachbarn im Cafe machte mir augenscheinlich deutlich wie wir zu diesen Geräten stehen, dieses wiederum inspiriert zur Taschenserie C2 mit redundantem, Gerätefach. Ein Mentor erklärte mir viele Lösungen seien bereits in mir, es sei nur erforderlich sie abzurufen. Das versuche ich. Digest: Wie steht es generell um den Designanspruch in Deutschland? Wagner: Zunehmend sehe ich auch deutsche Produkte die wohl per Internetrecherche oder nach Trendstudien erdacht wurden. Das mag zu allgemeinen Ergebnissen führen, ist aber nicht das was ich mir wünsche, weil dabei viel Funktionalität und auch Authentizität auf der Strecke bleiben. Im schlimmsten Fall entstehen dann „me too“-Produkte oder gar Kopien. Produkte haben einen Zweck: Meines Erachtens sollte ein Produkt nach wie vor an erster Stelle kompromisslos in den vorgesehenen Situationen funktionieren, und das über möglichst lange Zeiträume. Letzteres hat auch etwas mit Verantwortung zu tun, die nun wieder dank Klima und Ölpreis entdeckt wurde. Zudem kann es die Handschrift von Designer und auch Marke tragen. Nach wie vor gibt es diese Dinge und die Menschen dazu in Deutschland, unter anderem. Bildunterschrift: Zu Wolf Udo Wagner: Wolf Udo Wagners Studio befindet sich in Frankfurt/Main. Dort arbeitet er mit einem fünfköpfigen Team an unterschiedlichen Gestaltungsobjekten, vornehmlich aus dem Bereich der Möbel- und Konsumgüterindustrie. Der Diplom-Designer hat bereits 28 Auszeichnungen, darunter 4x Red Dot, 1x iF, 2x DesignPlus, 2x Focus Design, 2x Form, 1x Best Brand, 2x DDC Award und 2x GOOD DESIGN – Preis vom Athanaeum Museum erhalten.
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