Wolf Udo Wagner
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DIGEST 06/2003 Interview mit Glasdesigner Wolf Udo Wagner „Im Vordergrund: die schönen Blumen!“ DIGEST: Herr Wagner, warum haben Sie Architektur und Produktdesign Studiert? Wolf Udo Wagner: Bereits früh stand für mich fest, Gestaltung muss ein essentieller Bestandteil meines Berufes sein; vielleicht auch geprägt durch meine Familie, die sich im Umfeld von Joseph Beuys bewegte. Meine ersten Bauklötze stammten aus seiner Werkstatt. Architektur in Darmstadt zu studieren war für mich ein logischer schritt, da ich mich in einer handwerklichen Ausbildung bereits mit dem Thema Raum auseinander gesetzt habe. Im Laufe der Zeit wurde mir dann klar, dass es ein weitere spannendes Betätigungsfeld gibt: Produktdesign. Auch hier sind komplexe Themenstellungen vorgegeben; gleichwohl kommt der Anspruch hinzu, etwas für viele Menschen zu gestalten: Die Produktion in Serie! Dies bedeutet aber nicht, dass ich mich ausschließlich auf Produktdesign festlegen möchte – sporadisch übernehme ich auch Ausstellungs- und Einrichtungsprojekte, doch nur, wenn ein offensichtlicher Gestaltungsaufwand verlangt ist. Eine Interessante Vorstellung im Hinblick auf einen Auftrag wäre, sowohl den architektonischen Bau als auch die Produkte für ein Unternehmen zu gestalten. DIGEST: Wann haben Sie begonnen, Objekte aus Glas zu designen? Wagner: Mit Glasdesign habe ich mich erstmals während meiner Studienzeit in Manchaster beschäftigt. Auf dem Universitätscampus gab es eine Glashütte. Ich habe mich dort für ein Fachseminar eingeschrieben, weil Kenntnisse der Herstellung meiner Meinung nach wichtig sind für den Prozess des Gestaltens. Es ist wirklich faszinierend ein Glas zu fertigen: Die wichtigsten Werkzeuge des Glasbläsers sind a) seine Lunge und b) die Gravitation der Erde – im Spannungsfeld dieser Kräfte entsteht ein mundgeblasenes Glas. Obwohl ich die Fertigung niemals wirklich erlernt habe, verstehe ich seitdem die Materie viel besser. DIGEST: Können Sie uns bitte den kreativen Prozess beschreiben? Wagner: Ich gehe analytisch und mit Bewusstsein vor. Erst muss ich um Funktion, Kontext und alle weiteren Faktoren wissen, als Basis für eine spezielle Gestaltung. Ich nehme nichts als selbstverständlich hin, hinterfrage das, was andere als gegeben hinnehmen würden und finde so bisweilen etwas neues. An der Prototyp-Vase „Ronda III“lässt sich dies exemplarisch darstellen. Vor dem Entwurf der Vase stand die Frage, was macht eigentlich den darin zu präsentierenden Blumenstrauß aus. Im ersten Schritt haben wir daher in einem umfassenden Projekt alle erdenklichen Variationen von Sträußen ermittelt beziehungsweise zum Teil auch selbst angefertigt. Dabei entstanden ein paar ganz interessante und zum Teil verwegene Ideen. Eine Vase besteht aus unterschiedlichen Elementen wie Standfläche, Boden, Korpus, und weiteren Details.Diese benannten Elemente sind bei „Ronda III“ sichtbar voneinander getrennt gestaltet, dadurch bildet die Vase alle Funktionen einzeln ab und ist somit frei von bekannten Stilvorgaben. Fazit: Die Vase passt in jede Umgebung und stellt das letztlich Wichtige in den Vordergrund: Die schönen Blumen! DIGEST: Für welche Hersteller arbeiten Sie im Glasdesign? Wagner: Für WMF und Leonardo arbeite ich bereits seit fünf Jahren; fast ebenso lange für Heinze in Wuppertal. Neu hinzugekommen ist 2002 Auerhahn und seit Anfang diesen Jahres bin ich für einen schwedischen Auftraggeber tätig. DIGEST: Was planen Sie für die Zukunft? Wagner: Eine intensivere Zusammenarbeit mit internationalen Herstellern. Verstärkt auseinandersetzen möchte ich mich auch mit Märkten und Marken in anderen Kulturkreisen – zum Beispiel unter dem Aspekt der unterschiedlichen Bedürfnisse der Konsumenten. Außerdem denke ich, dass vernetztes Arbeiten mit Leuten aus anderen Disziplinen für meine Arbeit immer wichtiger wird. Das Interview führte Ursula Coester für DIGEST
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